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Mouth Taping. Nasenpflaster. Atemtraining.
Was vor ein paar Jahren noch nach esoterischem Biohacking klang, taucht heute auf Longevity-Konferenzen, bei Ausdauersportlern und in Schlaflaboren auf. Und das aus gutem Grund: Die Art, wie wir atmen, beeinflusst Schlaf, Leistungsfähigkeit, Entzündung und langfristig sogar unsere Anatomie.

In der aktuellen Podcast-Folge haben wir das Thema Nasen- vs. Mundatmung detailliert zerlegt. Im Newsletter gehen wir noch einen Schritt weiter – mit mehr Kontext, Studien und klaren Takeaways.

Kurzer Hinweis in eigener Sache, bevor wir ins Thema reinstarten

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Und jetzt rein ins Thema!

Der Mensch ist ein Nasenatmer – anatomisch und physiologisch

Die Nase ist kein dekoratives Anhängsel. Sie ist ein hochkomplexes Organ mit klarer Funktion:

  • Filtern: Nasenhaare, Schleimhaut und Turbulenzen entfernen Partikel, Allergene und Mikroorganismen

  • Erwärmen & Befeuchten: Kalte, trockene Luft wird lungenverträglich gemacht

  • Lenken: Die Nasenmuscheln erzeugen gezielte Strömungen statt chaotischem Luftzug

Beim Mund passiert davon: fast nichts.

Chronische Mundatmung umgeht diese Schutzmechanismen vollständig – besonders nachts, wenn wir es unbewusst machen.

CO₂ ist kein Abfallprodukt – der Bohr-Effekt erklärt

Ein zentraler Punkt, der fast immer missverstanden wird:
Mehr Sauerstoff einzuatmen heißt nicht automatisch, ihn besser zu nutzen.

Der sogenannte Bohr-Effekt beschreibt, dass Sauerstoff nur dann effizient vom Hämoglobin ins Gewebe abgegeben wird, wenn ausreichend CO₂ vorhanden ist.

  • Mundatmung → schnellere, flachere Atmung → CO₂ wird „weggeatmet“

  • Nasenatmung → langsamere Atmung → höherer CO₂-Spiegel im Gewebe

Das Resultat:

  • bessere Durchblutung

  • bessere Sauerstoffabgabe

  • geringere Gefäßverengung

Paradox, aber gut belegt:
Viele Menschen haben eine hohe Sauerstoffsättigung – und trotzdem eine schlechte Gewebeversorgung.

Stickstoffmonoxid (NO): Der unterschätzte Vorteil der Nase

Ein zweites Gas macht Nasenatmung besonders wertvoll: Stickstoffmonoxid (NO).

NO wird in den Nasennebenhöhlen produziert und gelangt nur dann in die Lunge, wenn wir durch die Nase einatmen.

Effekte von NO:

  • Vasodilatation (Gefäße werden weiter)

  • Bronchodilatation (leichteres Atmen)

  • verbesserte Sauerstoffaufnahme

  • antimikrobielle Wirkung

Studien zeigen:
👉 Bis zu 10–15 % bessere Sauerstoffaufnahme bei Nasenatmung im Vergleich zur Mundatmung.

Kein Wunder, dass Ausdauersportler plötzlich rote-Bete-Saft trinken – Nasenatmung ist der natürliche NO-Booster.

Schlaf, Schnarchen & Nervensystem

Mundatmung im Schlaf ist fast immer mit Problemen verbunden:

  • Unterkiefer fällt zurück → Atemwege verengen

  • Zunge rutscht nach hinten → Vibrationen → Schnarchen

  • Mikro-Arousals → fragmentierter Schlaf

Zusätzlich:

  • Nasenatmung → Parasympathikus (Erholung)

  • Mundatmung → leichter Sympathikus-Shift (Stresssignal)

Das Ergebnis:

  • weniger Tief- & REM-Schlaf

  • schlechtere Regeneration

  • reduzierte Ausschüttung von Wachstumshormon & Testosteron

Viele merken das erst, wenn sie jahrelang schlecht geschlafen haben – weil es zum Normalzustand geworden ist.

Warum wir verlernen, durch die Nase zu atmen

Mundatmung ist selten „Schuld des Einzelnen“. Häufige Ursachen:

  • Allergien & chronische Schleimhautschwellung

  • trockene Raumluft (30–40 % im Winter sind keine Seltenheit)

  • Alkohol (Vasodilatation → verstopfte Nase)

  • häufige Infekte

  • anatomische Faktoren (Septum, Muscheln, Polypen)

Besonders kritisch: Kinder.
Chronische Mundatmung im Wachstum verändert nachweislich Gesichtsschädel, Kieferstellung und Atemwegsgröße.

Das ist kein TikTok-Mythos, sondern in der Kieferorthopädie gut dokumentiert.

Mewing & „Face Snatching“ – was stimmt wirklich?

Kurzfassung:
Bei Erwachsenen verändert Mouth Taping keine Knochenstruktur.

Ja, eine bessere Zungenlage (Zunge am Gaumen, Mund geschlossen) ist physiologisch korrekt.
Ja, das kann Haltung, Kieferfunktion und Atmung verbessern.

Aber:

  • Knochen sind im Erwachsenenalter verknöchert

  • keine „neue Jawline“ durch Tape

Was realistisch ist:

  • bessere Kieferposition

  • weniger Spannung

  • funktionelle Verbesserung – keine ästhetische Wunderheilung

Mouth Taping: sinnvoll, aber kein Allheilmittel

Richtig angewendet, kann Mouth Taping helfen, Nasenatmung im Schlaf wieder anzulernen.

Wichtig:

  • kein luftdichtes Verschließen

  • hautfreundliche Tapes

  • Ziel: Weg des geringsten Widerstands → Nase

Nicht geeignet bei diagnostizierter Schlafapnoe, nächtlicher Übelkeit / Reflux oder schweren Nasenobstruktionen.

Alternativ oder ergänzend:

  • Nasenpflaster (heben die Nasenflügel)

  • Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer: ideal 40–60 %

Atemtraining: CO₂-Toleranz ist trainierbar

Zwei bekannte Ansätze:

  • Buteyko-Methode

  • Oxygen Advantage (Patrick McKeown)

Ziel:

  • langsamere Atmung

  • höhere CO₂-Toleranz

  • stärkere parasympathische Aktivierung

Orientierungswerte:

  • normale Atemfrequenz nachts: ideal ~12–14/min

  • Training: zeitweise 6–9 Atemzüge/min

Ein einfacher Test: Nach normalem Ausatmen Luft anhalten
👉 <20 s = geringe CO₂-Toleranz
👉 >25 s = solide Basis

Ernährung für bessere Nasenatmung

Unterstützend (kein Ersatz):

  • NO-fördernd: Rote Bete, Rucola, Granatapfel, dunkle Schokolade

  • Anti-inflammatorisch: Omega-3, gewisse sekundäre Pflanzenstoffe

  • Abends: Magnesium (Parasympathikus)

Und banal, aber effektiv:
Zucker & Alkohol (Schleimhaut schwillt leicht an) spät abends verschlechtern Nasenatmung messbar.

Fazit: Low Cost, High Impact

Nasenatmung ist kostenlos, jederzeit trainierbar, wissenschaftlich plausibel undmassiv unterschätzt!

Sie beeinflusst:

  • Schlafqualität

  • Leistungsfähigkeit

  • Entzündung

  • langfristige Gesundheit

Manchmal sind es nicht neue Supplements oder teure Tests –
sondern ein fundamentaler biologischer Reflex, den wir wieder lernen müssen.Und wenn du tiefer einsteigen willst, dann hör dir gerne unsere Beyond Lifespan-Episode zum Thema an:

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Bleib gesund und bis nächste Woche –
Dr. Mario Gietl

Arzt & Host von Beyond Lifespan (LinkedIn)

Disclaimer: Dieser Newsletter dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Triff Therapie-Entscheidungen stets gemeinsam mit deiner Ärztin/deinem Arzt.

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