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In der Longevity-/Biohacking-Welt gibt es kaum ein Ernährungsthema, das so zuverlässig Lager bildet wie Seed Oils (Samenöle): Sonnenblumenöl, Rapsöl, Sojaöl, Maiskeimöl & Co. Für die einen sind sie „Herz-gesund“, für die anderen „metabolisches Gift“ – und beide Seiten können mit Studien um sich werfen. Und genau deshalb lohnt sich ein Deep Dive.

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Und jetzt rein ins Thema!

1) Warum die Seed-Oil-Debatte so entgleist ist

Ein Kernproblem dieser Diskussion ist Übervereinfachung. Ein populärer Mythos lautet etwa:

„Seed Oils werden im Körperfett gespeichert, werden dort ranzig und vergiften uns von innen.“

Ja, Linolsäure lagert sich vermehrt im Körperfett ein, wenn man viel davon isst (das ist gut belegt und Teil des sogenannten Israeli Paradox).

Aber: Dass dieses Fettgewebe dann „oxidiert“, dauerhaft Entzündungen auslöst und Menschen krank macht, konnte so nie sauber gezeigt werden. Der Körper erneuert Fettsäuren kontinuierlich und verfügt über antioxidative Schutzmechanismen.

Diese Art von Storytelling funktioniert im Internet hervorragend – wissenschaftlich trägt sie nicht.

2) Was Seed Oils wirklich „anders“ macht

Samenöle unterscheiden sich von „Fruchtölen“ (z. B. Olivenöl) vor allem durch:

  • Herstellung: häufig Extraktion (z. B. mit Lösungsmitteln), Raffination, Desodorierung (Geruch/Geschmack raus), Bleichen → praktisch, haltbar, neutral – aber eben auch stark verarbeitet.

  • Fettsäureprofil: viele enthalten viel Linolsäure (Omega-6), besonders Sonnenblumenöl.

Wichtig: „hochverarbeitet“ ist ein Hinweis, aber kein automatisches Urteil. Einige stark verarbeitete Lebensmittel sind dennoch physiologisch unkritisch – andere problematisch, weil sie Überkonsum erleichtern (Stichwort: ultraverarbeitete Snacks).

3) Warum die Studienlage so verwirrend ist (und warum das nicht „egal“ ist)

Ein Kern der Debatte kommt aus Re-Analysen älterer Daten. Besonders prominent: Ramsden et al. haben Daten u. a. aus der Sydney Diet Heart Study wieder ausgegraben und fanden: Wenn gesättigte Fette durch Linolsäure ersetzt wurden, stieg in diesem Datensatz teils die Sterblichkeit.

Das klingt wie ein KO für Seed Oils – bis man den Kontext sieht:

  • In Teilen dieser Ära waren Transfette (z. B. teilgehärtete Pflanzenfette) viel verbreiteter – ein massiver Confounder.

  • Ramsden selbst betont später, dass zwar Cholesterin sinkt, aber der „Übersetzungsweg“ zu weniger Herztod in den Trials nicht sauber belegt ist.

Und jetzt der Twist: Heute sind industrielle Transfette in der EU stark begrenzt: max. 2 g Transfett pro 100 g Fett (ausgenommen natürlich vorkommende in tierischen Fetten). Das verschiebt die Relevanz vieler „historischer“ Seed-Oil-Argumente deutlich.

4) Omega-6 ist nicht der Teufel – aber das Verhältnis zählt

Omega-6 (Linolsäure) ist essenziell. Ohne sie geht’s nicht (Zellmembranen, Signalwege etc.). Ein großer Teil moderner Literatur und Fachgesellschaften sieht Omega-6 nicht als per se schädlich – eher im Gegenteil, besonders wenn es gesättigte Fette ersetzt.

Auch neuere Daten aus Beobachtungsstudien und Biomarker-Analysen deuten teils auf niedrigere kardiovaskuläre Risiken bei höheren Linolsäure-Spiegeln hin.

Aber: Das wird praktisch oft falsch gelebt.

Denn das Problem ist häufig nicht „zu viel Omega-6“ im luftleeren Raum, sondern:

  • zu wenig Omega-3, plus

  • Omega-6 überall im Alltag (Fertigprodukte, Saucen, Snacks), plus

  • Hitze/oxidative Belastung bei Frittieren/Wiederverwendung.

Das erklärt auch, warum Menschen mit „Clean Eating + ausreichend Omega-3“ häufig völlig andere Outcomes haben als Menschen, bei denen Seed Oils vor allem aus ultraverarbeiteten Kalorienbomben kommen.

5) Der echte Gegner: Oxidation, Hitze, Wiederverwendung

Chemisch sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren oxidationsanfälliger. In der Praxis relevant wird das vor allem bei:

  • sehr hohen Temperaturen

  • lange Standzeiten

  • Frittierfett, das wieder und wieder genutzt wird

Das ist der Moment, in dem aus „neutralem Bratfett“ ein Gemisch aus Abbauprodukten wird, das du nicht im Körper haben willst (und das du auch riechst: „ranzig“, „alt“, „stechend“). Ein Problem ist das weniger zuhause, als vielmehr in Restaurants aktuell ist, wo man das schwer nachvollziehen kann.

Pragmatische Regel für die eigene Küche: Wenn das Öl sichtbar raucht → zu heiß.

Hier findest du die praktische Öl-Matrix mit einer Übersicht, welche Öle sich bei welchen Temperaturen eignen:

Öl Matrix_Beyond Lifespan.pdf

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6) Was du ab morgen tun kannst (ohne ideologisch zu werden)

Der Mittelweg gewinnt – und ist easy:

  1. Reduziere Seed Oils dort, wo sie am meisten „schaden“:

    • ultraverarbeitete Produkte (Chips, Süßes, Fertigsaucen, Frittiertes).
      Das ist meistens der Hebel mit dem größten Effekt – nicht die Pfanne zu Hause.

  2. Braten/Frittieren: nimm hitzestabilere Fette

    • Ghee/Butterschmalz, raffiniertes Avocadoöl, raffiniertes Erdnussöl oder „High-Oleic“-Varianten (z. B. High-Oleic Sonnenblumenöl).
      (Nicht weil „Seed Oils Gift“ sind, sondern weil Stabilität bei Hitze zählt.)

  3. Kalte Küche: Qualität schlägt Dogma

    • Olivenöl (gutes, frisches), Walnuss-/Lein-/Hanföl kalt – Geschmack + Micronutrients/Polyphenole sind hier der Bonus.

  4. Omega-3 als Ausgleich ernst nehmen

    • 2–3×/Woche fetter Fisch oder (wenn sinnvoll) Supplement + im Idealfall Omega-3-Status bzw. Omega 6 : Omega 3 Verhältnis checken. Beispielsweise mit diesem At-Home-Test von MOLEQLAR, oder direkt beim Arzt.
      Der Punkt ist nicht „perfekt“, sondern: Verhältnis verbessern.

7) Fazit: Seed Oils sind weder Superfood noch Gift

  • Omega-6 (Linolsäure) ist essenziell und in vielen Analysen nicht der Bösewicht, als der er online verkauft wird.

  • Ein großer Teil der historischen „Seed-Oil-Schuld“ hängt an Transfetten, die heute regulatorisch stark begrenzt sind.

  • Die größten realen Risiken entstehen im Alltag durch Ultra-Processed Food und oxidiertes Frittierfett, nicht durch den Tropfen Rapsöl im Salat.

Die ganze Beyond Lifespan Folge zum Thema findest du auf der Plattform deiner Wahl:

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Bleib gesund und bis nächste Woche –
Dr. Mario Gietl (Arzt & Host von Beyond Lifespan)

Disclaimer: Dieser Newsletter dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Triff Therapie-Entscheidungen stets gemeinsam mit deiner Ärztin/deinem Arzt.

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