Hi {{first_name | Biohacker}},
Wir leben in einer Zeit, in der fast alles süß schmeckt – auch, wenn kein Zucker drin ist.
Egal ob Light-Drink, Proteinshake oder Vitaminwasser: Die Versuchung nennt sich „Zero“.
Doch die Daten zeigen ein Paradox – manche Süßstoffe senken zwar Kalorien, erhöhen aber gleichzeitig Hunger, Insulinspitzen und Entzündungsmarker.
Zeit also, die Biochemie hinter der Süße zu verstehen – und Alternativen zu finden, die den Körper nicht austricksen.
Süßstoffe ≠ Zuckeralkohole
Zuerst muss man unterscheiden:
Süßstoffe (z. B. Aspartam/E951, Acesulfam-K/E950, Sucralose/E955, Stevia) sind 30 bis 37.000 × süßer als Zucker – fast kalorienfrei, in winzigen Mengen wirksam.
Zuckeralkohole/Polyole (z. B. Erythrit, Xylit/Birkenzucker, Sorbit) sind nur halb bis gleich süß, liefern aber etwas Energie. Sie gelten teilweise als zahnfreundlich, können in höheren Mengen jedoch Blähungen oder Durchfall verursachen. Zudem haben einige davon auch noch ein paar andere Tücken.
Auf dem Etikett findest du beide unter „Kohlenhydrate – davon Zucker – davon mehrwertige Alkohole“. Klingt technisch, lohnt sich aber zu lesen.
Warum „Zero“ dich manchmal hungriger macht
Sucralose ist der Platzhirsch in Drinks und Proteinpulvern. Studien zeigen: Sie kann Hungersignale direkt im Hypothalamus um ~17 % erhöhen.
Ein anderer plausibler Mechanismus geht so: Süßgeschmack → Körper erwartet Zucker → Insulin steigt leicht → kein Zucker kommt → leichter Unterzucker → Heißhunger.
Das erklärt zum Teil, warum viele berichten, sie seien nach Light-Getränken oder Proteinshakes mit Sucralose snackiger statt satter.
Nichtsdestotrotz: Richtig eingesetzt helfen Süßstoffe beim Abnehmen.
Wer beispielsweise täglich eine Zuckercola (~130 kcal) durch eine Zero-Cola ersetzt, spart rechnerisch 1 kg Fett pro Monat – solange die gesparten Kalorien nicht anderswo wieder reingeholt werden.
Herz-Kreislauf: Die Schattenseite der Polyole
Xylit und Erythrit waren lange Biohacker-Lieblinge: zahnfreundlich, „natürlich“, gut verträglich. Das Problem: In neueren Studien zeigten beide eine höhere Gerinnungsneigung – vereinfacht gesagt: „dickeres Blut“ – und damit potenziell mehr Herz-Kreislauf-Risiken.
Das gilt vor allem, wenn man Polyole trinkt (z. B. in Getränken oder Smoothies) oder in Backwaren hochdosiert.
Mein persönlicher Tipp:
Xylit ist geeignet als Kaugummi – aber bitte ausspucken.
Für Desserts oder Kuchen: max. kleine Mengen, keine täglichen Hochdosen.
Krebs & Sicherheit – was Aspartam wirklich bedeutet
2023 wurde Aspartam von der WHO auf die Liste „möglicherweise krebserregend“ gesetzt. Klingt dramatisch – ist es aber nur bedingt:
Der offizielle Grenzwert (ADI) blieb bei 40 mg/kg/Tag. Für eine 70-kg-Person sind das rund 3 g pro Tag – was 10–14 Dosen Cola Zero entspricht.
Heißt: In normalen Mengen gilt Aspartam weiterhin als sicher.
Wichtig ist nur: Menschen mit Phenylketonurie (PKU) dürfen Aspartam nicht konsumieren, da es Phenylalanin enthält.
Darm, Gehirn & Mikrobiom: individuell, aber nicht egal
Süßstoffe beeinflussen unser Mikrobiom, allerdings sehr individuell.
Manche reagieren empfindlich – etwa mit Verdauungsproblemen oder Entzündungsmarkern. Andere gar nicht.
Interessant wird’s beim Thema Kognition:
In einer großen prospektiven Studie über 8 Jahre zeigten Menschen mit hohem Xylit- oder Erythrit-Konsum eine schnellere Abnahme kognitiver Leistung.
Vermutlich spielt die Durchblutung eine Rolle – dieselben Mechanismen, die auch das Herz betreffen, betreffen eben auch die feinen Gefäße im Gehirn.
Die Klassiker im Kurzcheck
Aspartam (E951)
≈ 200× süßer als Zucker, ADI 40 mg/kg. Für PKU-Betroffene tabu.
Acesulfam-K (E950)
≈ 200× süßer, ADI 9 mg/kg. Wird oft mit Aspartam kombiniert, um den bitteren Nachgeschmack zu puffern.
Sucralose (E955)
≈ 600× süßer, ADI 15 mg/kg. Nicht erhitzen! Ab 120 °C entstehen chlorierte Nebenprodukte – also bitte nicht backen oder braten.
Stevia (Steviolglycoside)
200–400× süßer, oft in Kombination mit Sucralose. Gute Verträglichkeit, leicht lakritziger Nachgeschmack.
Saccharin (E954) & Cyclamat (E952)
Oldschool-Klassiker in Süßstofftabletten. In Europa erlaubt, in den USA verboten. Geschmacklich überholt – und nur noch in Hotel-Kaffeekannen präsent.
Tagatose & Glycin – die unterschätzten Alternativen
Tagatose: Ein sogenannter „Rare Sugar“, fast so süß wie Zucker (~90 %), aber mit nur 1,5 kcal/g.
Sehr niedriger glykämischer Index, reduziert Blutzucker- und Insulinspitzen
Wirkt leicht präbiotisch (Futter für gute Darmbakterien)
Ideal für kalte Anwendungen: Joghurt, Skyr, Overnight Oats, kalte Desserts
Glycin: Die süß schmeckende Aminosäure, die Bitterkeit neutralisiert – perfekt für Kaffee oder Kakao.
Glykämieneutral, in Studien leicht entspannend
In Kombination mit Stevia sorgt Glycin für eine runde, natürliche Süße ohne Nachgeschmack
Meine 5 Praxisregeln
1️⃣ Ziel ist Ersetzen, nicht Verdoppeln.
Zero-Drink statt Cola = gut. Zero + Snack „weil gespart“ = nicht gut.
2️⃣ Polyole dosieren.
Backen & Getränke: keine täglichen Großmengen.
3️⃣ Sucralose bleibt kalt.
Für Kaffee oder Shakes – ja. Zum Backen – nein.
4️⃣ Stevia + Glycin testen.
Geschmacklich top, langfristig eine verträgliche Kombination.
5️⃣ Selbstbeobachtung:
2 Wochen nur einen Süßstoff testen. Tracke Hunger (1–10), Verdauung, Schlaf. Dein Körper ist dein bestes Labor.
Fazit
Süßstoffe sind Werkzeuge, keine Wundermittel.
Sie helfen, Zucker zu reduzieren, wenn du sie bewusst einsetzt.
Aber: „Light“ ist nicht automatisch „smart“.
Bleib neugierig, lies Etiketten – und süß lieber gezielt statt gedankenlos.
Süßstoffe im Beyond Lifespan Podcast
Kurz vorab: Der Beyond Lifespan Podcast bekommt derzeit ein Rebranding - also nicht erschrecken, wenn statt der gewohnten grünen Optik in Zukunft blau vorherrscht.
Im neuen Podcast-Deep-Dive geht’s um die Wahrheit hinter Zero-Produkten: Welche Süßstoffe helfen möglicherweise beim Abnehmen – und welche täuschen deinen Körper nur?
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Auf ein langes, gutes Leben –
Mario
Dr. Mario Gietl - Arzt & Host von Beyond Lifespan (LinkedIn)
Disclaimer: Dieser Newsletter dient ausschließlich der Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Triff Therapie-Entscheidungen stets gemeinsam mit deiner Ärztin/deinem Arzt.



